Damit wird der beschränkte Einsatzbereich bisheriger BCI deutlich. Daher sind die derzeitigen BCIs  hauptsächlich für gelähmte Menschen („locked-in Syndrom infolge von Hirnstammblutung, Amyotropher  Lateralsklerose (ALS), spinaler Muskeldystrophie und anderer degenerativer neurologischer Erkrankungen)  von Interesse, die keinerlei Muskelfunktionen mehr zur Verfügung haben, um ein herkömmliches  Kommunikationssystem zu bedienen. Aufgrund der sowohl zeitlich als auch finanziell aufwendigen  Entwicklung eines BCI gemeinsam mit Locked-In-Patienten, fand eine komplexe Kommunikation mit ALS-  Patienten erstmals mit dem von der Arbeitsgruppe um Prof. Niels Birbaumer entwickelten Thought  Translation Device statt.   Dennoch sind solche Systeme schon geeignet für  vollkommen gelähmte Patienten. Bedürfnisse  müssen geäußert werden können, so daß die  Aufrechterhaltung der Kommunikation ein  entscheidender Faktor für die Lebensqualität ist.  Unser Hauptaugenmerk richtet sich auf die bislang  unheilbare ALS, an der in Deutschland etwa fünf- bis  sechstausend Menschen erkrankt sind. Die ALS  äußert sich in einer fortschreitenden  Muskellähmung, verursacht durch die Degeneration  des ersten und zweiten Motoneurons, die im  Endstadium zum Ausfall der gesamten  Willkürmotorik bei intakten kognitiven Funktionen  führen kann. Da auch die Atemmuskulatur davon  betroffen ist, sterben diese Menschen meist an  Ateminsuffizienz. Entschließen sie sich jedoch zur  künstlichen Heimbeatmung, können sie unter  ausreichender Pflege über Jahre hinweg weiterleben.  Selbst in diesem Stadium geben viele ALS-Patienten  an, trotz ihrer Lage zufrieden zu sein. Dafür ist  jedoch die Möglichkeit der Kommunikation  entscheidend. Ist noch eine ausreichende  willkürliche muskuläre Aktivität vorhanden, so kann  der Patient über elektronisch verstärkte  Muskelspannungen oder kleine Bewegungen einen  Signalgeber bedienen. Kommt jedoch die letzte  motorische Reaktion zum Erliegen, was bei ALS nicht  auszuschließen ist, so kann die im Feedbacktraining erlangte Fähigkeit dazu benutzt werden, Signale zu  geben und damit zu einer entscheidenden Lebenshilfe werden. Die Voraussetzung für eine direkte Gehirn-  Computer-Kommunikation ist jedoch, daß diejenigen Gehirnregionen, die für das entscheidende EEG-  Signal verantwortlich sind, noch funktionsfähig sind.  Hier erfahren Sie mehr über die Methode dieser alternativen Kommunikationsmöglichkeit.  Das Thought Translation Device (TTD) besteht aus  EEG-Feedbackschleife, in der das EEG einer  Person über einen EEG-Verstärker einem  Computer zugeführt wird, der die Signale  verarbeitet und einen Teil davon in Form eines  Feedbacksignals wieder der Person auf einem  Monitor zeigt oder akustisch präsentiert. Hat der  Benutzer gelernt dieses Signal zu kontrollieren –  und der Computer, es zu klassifizieren, so kann   sie dem Computer dadurch Befehle übermitteln  oder durch Buchstabenauswahl kommunizieren.  Die TTD-Software hat dabei die Aufgabe, die EEG-  Daten zu erfassen, zu speichern, sie in  mathematischen Algorithmen zu verarbeiten, aus  dem Feedbacksignal die Absicht des Benutzers zu  erkennen (klassifizieren) und ein Interface zur  Verfügung zu stellen, mit dem es möglich ist, zu  scheiben oder auch periphere Geräte zu steuern.   Die Programmierung und technische Realisation erfolgte wesentlich durch Dr. Thilo Hinterberger am  Institut für Medizinische Psychologie an der Universität Tübingen.  Allen BCI-Systemen ist zur Zeit noch gemeinsam, daß nur eine sehr zeitaufwendige Kommunikation  möglich ist. Obwohl bei den verschiedenen BCI zur Auswahl von Buchstaben unterschiedliche Methoden  verwendet werden, benötigt die Erzeugung eines Buchstabens meist mehrere Sekunden bis über eine  Minute. Wir sind gewohnt, daß Kommunikation im täglichen Leben sehr schnell ist. Verbal können ca. 800  Zeichen (Buchstaben) pro Minute übermittelt werden; über die Tastatur einer Schreibmaschine oder  eines Computers sind es immer noch 100 bis 200.   Ein System, das eine direkte Verbindung zwischen Gehirn und Computer herstellt, wird  als Brain-Computer-Interface (BCI, Gehirn-Computer- Schnittstelle) bezeichnet. Das  Thought Translation Device (TTD) ist ein BCI, mit dem es möglich ist, über die  Selbststeuerung von Hirnsignalen (EEG) auf einem Computerbildschirm Buchstaben  auszuwählen und so zu kommunizieren.   Das Thought Translation Device eine Gehirn-Computer Schnittstelle Blockdiagramm des TTD als Neurofeedback- Gehirn- Computer Kommunikationsinterface